Ansichten - Einsichten.
Seit seiner Kindheit ist Dirk Schröder eng mit Natur und Wald verbunden,
denn sein Vater war Forstwirt und Dirk oft sein begeisterter Begleiter und Zuhörer.
Heute ist Dirk Schröder einer der Schwalinger Jäger und Mitpächter des Schwalinger Reviers.
“Jagd ist für mich eine Lebenseinstellung", sagt Dirk
Schröder offen heraus,"die hat man oder auch nicht. Das ist
nichts, was man gelegentlich anschaltet und dann wieder
wegstellt. Da geht es nicht um Leistung und ‚größer, höher,
besser, schneller' oder was sonst noch heute so viele
Lebensbereiche antreibt. Jagd, wie ich sie verstehe, ist eben nicht
Jagdsport." Es überrascht also nicht, dass das Schießen bei Dirk
Schröder nicht im Vordergrund steht. Die Waffe bedeutet ihm nur
so viel, dass sie zur Ausübung der Jagd bei Hege und Pflege des
Wildbestandes gebraucht wird.
Dazu fällt Dirk Schröder ein: "Natürlich hab' ich mich gefreut,
als ich im vergangenen Jahr den Damhirsch im Schwalinger Wald
erlegt habe. Das ist schon ein jagdlicher Höhepunkt. Aber es ist
auch eine seltene Ausnahme und wird es bleiben. Trophäenjagd
ist eben für mich nicht reizvoll. Ich respektiere, dass sie anderen
Jägern viel Geld wert ist - ich hab' so manche Einladung
ausgeschlagen."
"Jagd ist für mich die Pirsch mit dem Hund, der gehört
einfach dazu, er ist der Partner, " macht Dirk Schröder klar."Der
Hund steht an 1.Stelle - mit ihm erlebe ich die Natur und das
Wild intensiv, mit wachen Sinnen - die reine Freude." Dirk
Schröder ließ seiner Jagdhündin Manja den Vortritt, nachdem der
Damhirsch erlegt war - sie durfte ihn ‚finden' und Dirk dann
begeistert hinführen… (Manja heißt übrigens mit vollem Namen
"Manja von der Dachswiese".)
Das Schwalinger Revier - also die reine Freude? "Wie in allen
Revieren stehen auch wir Jäger in Schwalingen vor großen
Herausforderungen" erwidert Dirk Schröder und berichtet dann
von den steigenden Anforderungen, die z.B. die Wildunfallver-
hütung mit sich bringt. Von den jährlich 240.000 Wildunfällen in
Deutschland bleibt auch Schwalingen nicht unbetroffen.
"Natürlich gehört das mit zu den Verpflichtungen als Jäger und
ich stelle mich gern zur Verfügung, bei den Vorbeugemaß-
nahmen oder als Anlaufstelle bei Wildunfällen. Aber wenn diese
freiwillige Leistung zu einer Erwartung wird, wenn die
Anerkennung fehlt, dann wird es zu einer Last, die man nicht
gern lange trägt. Es ist doch ein spürbarer Teil meiner knappen
Freizeit, den ich dafür aufwende, statt mit Manja zu pirschen."
Noch aufwändiger hat sich nach Dirk Schröders Erfahrung die
Wildschadenverhütung entwickelt: " Wir haben hier inzwischen
Kartoffeläcker von nie gekannter Fläche. Aber gerade bei den
Maisschlägen kommen wir an die Grenzen des Machbaren. Die
Pflanzen sind so hoch und stehen so dicht, die Schläge sind so
groß, dass an eine sinnvolle Überwachung nicht zu denken ist.
Hunderte Hektar haben wir davon in der Gemarkung. Das
Futterangebot ist enorm und lecker, der Bestand besonders der
Wildschweine explodiert geradezu. Das Wildschadenrisiko für
den Landwirt steigt entsprechend mit. Natürlich will ich helfen,
Ertragseinbußen durch Wildschaden zu vermeiden, aber wir
nähern uns dem Punkt, wo Erwartung zur Überforderung wird",
berichtet er.
Der Landkreis Heidekreis war im Jagdjahr 2010/2011 der
Landkreis in Niedersachsen mit der stärksten Schwarzwild-
dichte. Von den in Niedersachsen zwischen April 2010 und März
2011 erlegten 55.295 Wildschweinen (10% mehr als im Vorjahr)
entfallen 3.884 auf den Landkreis Heidekreis. Der Hegering
Neuenkirchen hatte im Jagdjahr 2010/2011 eine Jagdstrecke von
65 Stück Schwarzwild - im Jahr darauf 2011/2012 knapp 20%
mehr…
Der steigende Zeitanteil für die aufwändige Wildschaden-
verhütung in der Landwirtschaft geht natürlich zu Lasten der
Jagd, wie sie sich Dirk Schröder wünscht. "Früher gab es für die
Bewachung der Äcker bezahlte Feldhüter", sinniert er, "ich bin
eigentlich Jäger".
Wenn Dirk Schröder auf Pirsch ist, entdeckt er häufiger als
früher, dass er abgelenkt ist: "Jagd, Wildunfallverhütung,
Wildschadenverhütung und all die Facetten, die wir
noch gar nicht angesprochen haben -
irgendwie verschiebt sich hier etwas aus der
Balance. Ich mach' mir da so meine
Gedanken - irgendetwas macht mich
unruhig."
Aber dann springt
Dirk Schröder auf: "Manja,
komm", ruft er -
die Hündin ist schon drei
Schritte voraus, Richtung
Wald.
Gedanken über Balance