Im SchwalingerRevier.
Im Jahr 2006 gab es erste Anzeichen vom Marderhund im Schwalinger Revier. Zur Gewissheit wurde es, als der Schwalinger Jäger Manfred Lünzmann im September des Jahres ein Exemplar erlegte – den ersten Marderhund nicht nur im Schwalinger Revier, sondern im ganzen Hegering Neuenkirchen. Die seit Jahren zu beobachtende Ausbreitung des Marderhundes in Deutschland hatte also die Reviere unserer Gegend erreicht. Ein erster Vorbote, denn in den folgenden Jahren bleibt der Marderhund in den Jagdstrecken von Schwalingen und des Hegeringes Neuenkirchen unauffällig. In den Jagdjahren 2010/11 und 2011/12 sind keine Marderhunde aufgeführt. Der Streckenbericht von Schwalingen für das Jagdjahr 2012/13 wird nun allerdings keine Fehlanzeige mehr für Marderhunde melden: In diesen Tagen, gegen Ende des Monats August 2012, ist das Jagdglück wieder mit Manfred Lünzmann – an zwei aufeinander folgenden Tagen geht ihm jeweils 1 Marderhund in die Falle. „Nun sind sie wirklich angekommen“, sagt Manfred Lünzmann und zeigt auf die Bilder seiner Wildkamera, auf denen gleich mehrere Marderhunde zu erkennen sind. Grund genug, ein wenig mehr über dieses neue Raubtier im Schwalinger Revier zu erfahren: Seine ursprüngliche Heimat hat der Marderhundes im östlichen Sibirien, in China und Japan. Um ihn als Pelzlieferant leichter verfügbar zu machen, wilderte man ihn in der damaligen Sowjetunion ab 1930 gezielt westlich des Urals aus. Von dort begann seine Ausbreitung Richtung Westen. Seine hohe Anpassungsfähigkeit und vor allem die hohe Fortpflanzungsrate beschleunigte die Ausbreitung in einem Maße, die bei kaum einer anderen Art beobachtet wurde. In Niedersachsen berichten die Jagdstrecken zum Mardenhund noch im Jahr 2000: Fehlanzeige. Im Jahr 2001 wird der Marderhund in die Liste der jagdbaren Arten aufgenommen. Im Jahr 2005 werden schon über 200 erlegt, 2009 über 1000 Tiere. Im Jagdjahr 2010/11 geht die Zahl der erlegten Marderhunde auffällig zurück: 781 Tiere, davon im Landkreis Soltau-Fallingbostel 31, Hegering Neuenkirchen: Fehlanzeige. Marderhunde haben in Niedersachsen von März bis August Schonzeit, Jungmarderhunde dürfen ganzjährig bejagd werden. Der Marderhund ist unter vielerlei Namen bekannt: Enok oder auch Japanischer Fuchs. Wegen seiner äußerlichen Ähnlichkeit mit dem Waschbären wird er irreführend auch Ussurischer Waschbär oder Waschbärhund genannt. Tatsächlich gehört der Marderhund aber zur Gattung der „Hundeartigen“ – seine nächsten Verwandten sind Fuchs und Wolf. Er wird um 60cm lang, dazu kommt die Rute mit etwa 20cm. 5 bis 10kg bringt er auf die Waage. In Freiheit kann er bis etwa 8 Jahre alt werden. Marderhunde haben eine lebenslange enge Paarbindung. Rüde und Fähe schlafen meist in der gleichen Deckung und gehen auch gemeinsam auf Nahrungssuche. Schon am Ende des 1.Lebensjahres werden Rüden und Fähen geschlechtsreif. Ein Wurf Marderhunde hat etwa 5 bis 7 Welpen, in Einzelfällen aber auch bis zu 16 Welpen! Die Rüden beteiligen sich direkt nach der Geburt an der Pflege und der Aufzucht der Welpen. Die Fähe kann daher mehr Zeit bei der Nahrungssuche verbringen, um den hohen Energiebedarf für die Milchproduktion zu decken. Als Allesfresser finden Marderhunde ihre Nahrung überall: Mäuse, Vögel, Eier, Fische, Frösche, Schnecken, Insekten, Eicheln, Nüsse, Beeren und Obst, sogar Aas verschmähen sie nicht. Sie sind nachtaktiv und verlassen ihr Versteck erst nach Einbruch der Dunkelheit. Auf der Jagd legen sie weite Strecken zurück. Marderhunde bleiben in der Regel in dem von ihnen gewählten Kerngebiet, das kann aber bis zu 700 Hektar groß sein (die Schwalinger Gemarkung ist etwa 1000 Hektar groß). Bevorzugt leben Marderhunde in feuchten Laub- und Mischwäldern mit reichem Unterholz. Sie bauen selten eigene Baue sondern nutzen mit Vorliebe alte Dachs- oder Fuchsbaue, Wurzeln, Heuschobern, Reisighaufen oder auch Nester aus Schilf. Ihre natürlichen Feinde sind der Luchs, der Braunbär und – der Wolf. Von der Landesjägerschaft Niedersachsen erfährt man, dass von dem Marderhund trotz der starken Zunahme des Bestandes bisher keine negativen Auswirkungen auf die heimischen Arten nachgewiesen sind. Aber als „Neozon“ oder „Faunenfremdling“ (Tierart, die seit Beginn der Neuzeit –Wende vom 15. Zum 16.Jahrhundert- unbeeinflusst oder beeinflusst durch den Menschen in ein Gebiet gelangen, in dem sie ursprünglich nicht beheimatet waren) „ist seine Ausbreitung aus naturschutzfachlicher Sicht nicht erwünscht“, so die Landesjägerschaft. Auch wirkt er sich als Beutegreifer auf bestimmte Vogel- und Säugetierarten negativ aus. Aber aufgrund seines hohen Anteils an pflanzlichen Stoffen in seiner Nahrung wird seine Schädlichkeit von der Landesjägerschaft Niedersachsen allerdings als gering eingestuft. (Übrigens: Wenn der Marderhund als „Beutegreifer“ bezeichnet wird, dann bedeutet das nichts anderes als „Raubtier“. Es hört sich, vielleicht, nur freundlicher an.) Deutlicher drückt es der Deutsche Jagdschutzverband DJV aus: „Die EU-Kommission listet Marderhund, Mink und Waschbär unter den 100 schlimmsten invasiven Arten, die Berner Konvention empfiehlt, diese Arten streng zu kontrollieren, da sie die Biologische Vielfalt gefährden“. Die DJV-Position zu Marderhund, Mink und Waschbär, u.a. „Effektive Fangjagd als wirkungsvolles und zielgerichtetes Instrument zur Bejagung der Problemarten“. (Die Berner Konvention stammt aus dem Jahr 1999, die DJV-Position wurde 2005 gefasst.) Aktuell empfehlen die Landesjägerschaft Niedersachsen und das Niedersächsische Landwirtschaftsminiterium gemeinsam: “Die Anwesenheit von Marderhunden kann einen starken Einfluss auf die Bruterfolge von Vögeln in Feuchtgebieten haben. Dieses und die Tatsache, dass eine Konkurrenz zu einheimischen Arten nicht ausgeschlossen werden kann, sollte Grund genug sein, die Entwicklung der Ausbreitung dieser Art aufmerksam zu beobachten und gegebenenfalls regulierend einzugreifen“. Als Jäger im Schwalinger Revier schätzt Manfred Lünzmann das Vordringen des Marderhundes so ein:“ Er ist sehr konkurrenzstark und enorm anpassungsfähig. Was mich aber beunruhigt, ist seine schon im Durchschnitt hohe Fortpflanzungsrate – die vielen Welpen wollen versorgt werden. Und schon nach 1 Jahr paaren sich die Jungen. Beim Enok müssen wir wirklich aufpassen...“.
Angekommen im Schwalinger Revier - der Marderhund.
Foto: Manfred Lünzmann, Schwalingen, 2012 Entwicklung der Marderhund-Jagdstrecke in Niedersachsen
Verbreitung des Marderhundes in Niedersachsen 2004 und 2011
Entwicklung der Jagdstrecke des Marderhundes in Niedersachsen
Waschbär
Marderhund
Verbreitung Marderhund in Niedersachsen 2004 Verbreitung Marderhund in Niedersachsen 2011
Heimat in Ostasien.
Ein Paar für’s Leben.
Ausbreitung unerwünscht.
Regulierend eingreifen.
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