Wissenswertes zur Jagd.
Verständigen sich heutzutage Computerexperten oder gar Internet-Spezialisten untereinander in ihrem ‚Fach-Chinesisch' oder Behördenmenschen in ‚Amtsdeutsch', dann nehmen wir das allgemein als wohl notwendiges Übel hin und warten auf die Übersetzung. Sprechen dagegen Jäger ihre Jägersprache, dann wird leicht schon einmal skeptisch aufgemerkt: Eine elitäre Methode, sich von der Masse der Nichtjäger abzugrenzen? "Die Anfänge der Jägersprache lassen sich bis ins 7.Jahrhundert zurück verfolgen und sie zählt heute zu den ältesten noch lebenden Zunftsprachen " erklärt Hannes Kollar, Chefredakteur der Zeitschrift ‚Der Anblick', den die Steirischen Jägerschaft herausgibt. " Die Waidmänner sprechen diese Sprache nicht, um vielleicht von Nichtjägern nicht verstanden zu werden oder gar, um sich von diesen abzuheben. Vielmehr können mittels Jägersprache mit wenigen Worten sehr präzise Angaben gemacht werden." Er führt ein Beispiel an: Der reife, noch rote Eissprossenzehner zog orgelnd am Wechsel in den Einstand. Gäbe es die Jägersprache nicht, müsste der Jäger statt dieses kurzen Satzes folgende Erklärung abgeben: Der etwa zehn- bis zwölfjährige Hirsch, der noch das rote Sommerfell trug und ein Geweih mit zehn Zacken hatte, welches noch die Besonderheit hatte, nach den jeweils untersten Zacken zwei verkümmerte Zacken zu haben, ging langsam, immer wieder kräftige Brunftlaute von sich gebend, auf dem Steig, den das Rotwild seit eh und je benutzt, in jenen Waldteil, den der Hirsch jetzt in der Brunftzeit als bevorzugten Tagesaufenthaltsort ausgesucht hat. "Es hat also Sinn, dass die Jäger ihre Zunftsprache pflegen", sagt Hannes Kollar. Aber solange es die "Jägersprache" gibt, solange gibt es auch ihre Kritiker, die nicht ihre fachliche Zweckmäßigkeit bewerten, sondern die vermeintliche Motivation ihrer Anwender: "Übrigens haben die Jäger ihre eigene und besondere Kunstsprache, welche daher die Jägersprache, oder die Jagdterminologie genannt wird. Man hat, aus Pedanterey, Dingen, welche schon bestimmte Nahmen haben, andere gegeben, nur um den hirschgerechten Jäger, wie den Handwerksburschen durch den Gruß, zu erkennen", meint der deutsche Arzt, Naturwissenschaftler und Enzyklopädist Johann Georg Krünitz, der 1796 in Berlin starb. Wer mag, kann die heutigen
Kritiker an anderer Stelle nachlesen. Bis heute sind die alten Vorbehalte gegenüber der Jägersprache bei vielen Nichtjägern jedenfalls nicht ganz ausgeräumt, obwohl die Wurzeln dafür einige Jahrhunderte zurück liegen. Etwa im 12.Jahrhundert entwickelte sich eine jagdliche Standessprache, die weit über den fachsprachlichen Aspekt hinaus ging. Im 16.Jahrhundert stand sie in voller Blüte. Die Jäger wollten sich in Kleidung, Gehabe und natürlich auch durch ihre Sprache als Mitglied eines eigenen Standes vom Bürger und Bauern abheben. Es entstand der Anschein der Waidmannsprache als eine Art "Geheimsprache" der Jäger, der ihr auch heute noch teilweise anhaftet. Die Jägersprache gehört zum jagdlichen Brauchtum, sie ist ein Teil der Jagdkultur. Wer also über "über die Strecke" tritt, das Wild nicht "verbricht" oder "Schweiß" mit Schweiß verwechselt, also die Waidmannssprache nicht beherrscht, verletzt nicht die Grundsätze der Waidgerechtigkeit, sondern folgt nicht den Jagdbräuchen. Es gilt als Gebot der Höflichkeit, dass der Jäger die Waidmannssprache Nichtjägern gegenüber nicht verwendet, und um Verständnis- probleme zu vermeiden - "Der Hase hat keine Ohren." "Nein ? Der Arme. Womit hört er denn? " "Mit den Löffeln." "Wie?". Im Laufe der Jahrhunderte sind wohl an die 13.000 jagdliche Begriffe entstanden, etwa 3.000 sind gegenwärtig in Gebrauch. Aus der Jagdsprache stammen auch viele Redewendungen der deutschen Umgangssprache: z.B. "in die Binsen gehen": Fiel die Ente trotz gelungenem Schuss ins undurchdringliche Binsenkraut, war das Tier nicht mehr auffindbar und verloren. Oder "durch die Lappen gehen": Im 17.Jahrhundert gab es ‚Lappjagden', bei denen kilometerlange Leinen mit Lappen aufgehängt wurde. Sie sollten das Wild direkt vor die Schützen treiben. Ließ sich das Wild aber nicht irritieren und entwischte, ging es eben durch die Lappen… Auch das bekannte ‚volle Pfund' eines kräftigen echten oder gedachten Schlages ist wohl aus der Jägersprache übernommen: Zählt die Jägersprache auch zum Brauchtum der Jagd, so ist ihre Pflege und Anwendung bei der Jagd doch wichtig genug, einen Verstoß mit einer (nicht ehrenrührigen) Strafe zu belegen, zumindest war das in früheren Zeiten so. Hatte also ein Jäger ein jagdliches Vergehen begangen oder eben "wider Weidemanns Gebrauch gesprochen", so verfiel er dem "Pfundegeben" , dem "Blattschlagen". Dabei beugt sich nach dem Ende der Jagd der zu Bestrafende über einen liegenden Baumstamm oder legte sich bäuchlings auf ein erlegtes Wildstück und erhielt dann im Anblick der Jagdgesellschaft mit der flachen Klinge des Waidmessers /des Hirschfängers des Oberjägers drei kräftige Pfunde/Schläge auf das Hinterteil, was vom "Jagdgeschrei" der Jäger begleitet wurde. So beschreibt es der Kürfürstliche Forstmeister Christian Wilhelm von Heppe in seiner Anweisung zum "Wohlredenden Jäger", die er im Jahre 1763 dem "Edlen Weidhaufen Teutscher Lande" widmete. Sollte die Strafe heute noch drohen, so ist sie wohl längst ‚zu Geld gesetzt', für die Jagdkasse.
Jägersprache - ein nützlicher Brauch.
Unter den Zeichnung einer Jagd, die er als Mitglied der Jagdgesellschaft im Jahre 1633 anfertigte ist auch eine, die das 'Pfundegeben' dokumentiert.
Unter den Zeichnungen, die der Maler Valentin Wagner im Jahre 1633 als Mitglied einer herrschaftlichen Jagdgesellschaft anfertigte, befindet sich auch diese, die das 'Pfundegeben' oder 'Blattschlagen' dokumentiert.