Ansichten - Einsichten.
Alfred Meisel steht auf seinem Grundstück am nörd-
lichen Dorfrand von Schwalingen und fragt:“ Wo wollen wir
zuerst hin?“ Er zeigt auf das große Damwildgehege und dann
auf den Gartenteich, auf dem ein kleines Boot dümpelt. „Da
sind meine Kois drin“, erklärt er, „oder gleich in den Wald?“
Während sich die Kois das Futter von der Wasserober-
fläche schnappen erzählt Alfred Meisel: “Tiere hab‘ ich
immer schon gehabt. Früher Fische im Aquarium, später der
winterfeste Teich hier. Die Kois ziehe ich selbst. Seit 1987
dann das Damwildgehege, meine große Freude. Von meinem
Vater habe ich auch das Wildschweingehege übernommen.
Aber vor einigen Jahren musste ich es leider aufgeben.“
Das Damwild kommt vertrauens-
voll heran, als Alfred Meisel das Gehege betritt. Natürlich
hat er auch für sie ein wenig Futter dabei. „All die Tiere hier
hab‘ ich selbst gezogen – wir kennen uns gut. Es ist die ganze
Freude unserer Familie hier in unmittelbarer Nähe der Tiere
zu leben und sie täglich zu erleben. Wir brauchen keinen
Urlaub anderswo –hier erholen wir uns und fühlen uns
wohl. Zurzeit sieht man nur von der Landschaft nicht viel,
der Mais steht so hoch, rund herum.“
Alfred Meisel ist beruflich schwer eingespannt. Als
angestellter Tischlermeister ist er für einen großen Ferti-
gungszweig seiner Firma verantwortlich und täglich 12
Stunden beruflich unterwegs, 5 Tage in der Woche, oft auch
6. „Da brauche ich abends Entspannung und Ausgleich. Bei
den Tieren finde ich diese Ruhe. Und im Wald.”
Im nahen Schwalinger Wald hat sich Alfred Meisel eine
geeignete Stelle ausgesucht und schon vor Jahre einen
Futterplatz, eine Kirrung, angelegt. Sie wird vom Wild gern
besucht, besonders im Winter, wenn ein Ballen Heu aufge-
stellt wird. In einem nahen Ansitz macht es sich Alfred
Meisel zur rechten Zeit bequem „Die reine Erholung für
mich, das Wild hier zu beobachten, da kann ich richtig
auftanken – trotz der knappen Zeit, die mir bleibt. Hier hab‘
ich noch nie ein Stück Wild erlegt.”
Und der Schwalinger
Jäger Alfred Meisel? „Das
Gewehr nehme ich wirklich nur aus dem Waffenschrank,
wenn ich ein Stück Wild erlegen will. Auf der Pirsch bin ich
sonst unbewaffnet – bei meiner Jagd ist die Wildbeobach-
tung der Kern, aber ohne Wildkamera“, erklärt er.
So ist denn Alfred Meisel auch über sein Interesse an
den Wildtieren zur Jagd gekommen. Großvater und Vater
waren keine Jäger, aber seine Freunde im Dorf sind Jäger
und wenn „gefachsimpelt“ wurde konnte er nicht so recht
mithalten. Also machte er vor 11 Jahren die Jagdausbil-
dung, den Jagdschein hat er immer in seiner Brusttasche
dabei. „Ich hab‘ so viel über die Wildtiere gelernt, die
Ausbildung hat meiner Passion die solide Grundlage gege-
ben und die Qualifikation. Heute darf ich mein eigenes Wild
im Gehege schießen, wenn erforderlich, und es waidgerecht
versorgen“, erzählt Alfred Maisel.
Vielleicht liegt Alfred Meisel die Jagd aber auch „im Blut“?
Vor gar nicht langer Zeit hat er nämlich entdeckt, dass sein
Urgroßvater Jäger in Schwalingen
gewesen sein muss. In dessen Nachlass
fand sich ein beachtliches Geweih – aus dem Jahr 1878.
Demnächst, nach der Restauration, wird es Alfred Meisels
„Gute Stube“ zieren.
Natürlich trägt Alfred Meisel als Mitpächter des
Schwalinger Reviers auch seinen Teil zur Schwalinger
Jagdstrecke bei. „Soweit es meine Zeit erlaubt“, schränkt
er ein „ denn mein Beruf geht mir nun einmal vor. Da
muss ich so manche Einladung zur Jagd ausschlagen
–nicht immer trifft das auf Verständnis.”
Bei so viel Verbundenheit zu Wild und Jagd bleibt die
Frage nach dem Jagdhund nicht aus. Es fällt Alfred Meisel
sichtlich nicht leicht, dazu etwas zu sagen: „Ich hatte einen
sehr guten Jagdhund, als Welpe gekauft, aus bester Zucht.
Wir beide gingen durch die Ausbildung. Und als sie
erfolgreich abgeschlossen war erblindete der Hund ganz
plötzlich auf beiden Augen. Wir haben alles versucht zu
helfen, aber die Chancen waren zu gering…“. Es wird
wieder einen Jagdhund für Alfred Meisel geben. „Aber erst
nach meinen Pensionierung. Wenn ich mich ganz mit ihm
beschäftigen kann und er nicht den ganzen Tag im
Zwinger auf mich warten muss“.
Seine Begabung im
Umgang mit Wildtieren
macht sich Alfred Meisel auch in einem weiteren Bereich
zu Nutze: Er zieht gern Fasanenküken auf und wildert sie
in der Gemarkung aus. „Niederwald ist ganz selten in
unserem Revier anzutreffen, Hühnervögel fast gar nicht
mehr. Die jährlich Jagdstrecken berichten davon”, erzählt
er. „ Ich möchte da helfen, aber es ist schwer oder noch
schlimmer, es ist kaum möglich zu helfen. Es fehlt überall
an Deckung für das Niederwild - Hecken, kleine Dickichte
oder ein Gestrüpp, buschige Wegränder oder Ackerraine,
wohin es sich bei Gefahr flüchten kann. Überall in der
Landschaft, auf den Äckern ist es aufgeräumt, übersichtlich,
maschinengerecht, ertragsorientiert.“
Was ist die Folge ? „Die Küken werden von den Greif-
vögeln geholt, weil sie nicht rechtzeitig Deckung finden,
oder vom Raubwild. Ich wildere jetzt keine Fasane mehr
aus, die Strukturen und Gegebenheiten hier sind einfach
nicht danach.“
Wie wäre es mit einem
Gemeinschaftsprojekt
von Landwirten, Jägern und Interessierten? „Zum Beispiel
in Initiative der Jagdgenosschenschaft? Da wäre ich sofort
dabei“, Alfred Meisel ist spontan begeistert, „ich würde
wirklich gern mehr tun und mich einbringen. Das
„Hecken-Seminar“ im Juni 2012 war doch wirklich
aufschlussreich und ermutigend. Gemeinsam kann man so
viel mehr bewegen ...”
Tiere hab’ ich immer gehabt.